Yellow mountain (Huang Shan)

Sonntag, 22.07.2012

Mit Schrecken stelle ich fest, dass mein letzter Eintrag schon wieder fast 3 Wochen her ist! Daran lässt sich glaube ich ganz gut erkennen, dass Langeweile (ob auf der Arbeit oder in der Freizeit) definitiv kein Thema für mich ist.

Hinter mir liegen wieder zwei Super-Wochenenden, von denen ich euch jetzt berichten werde. Ich beginne mit diesem Wochenende:

Freitag, 20.07.: Während Beijing von den heftigsten Regenfällen seit 60 Jahren heimgesucht wurde, versprachen die anhaltende Hitze und der Sonnenschein (mit blauem Himmel!) einen guten Start ins Wochenende, weshalb ich pünktlich um 17:30 ausgestempelt habe um mit einem Kollegen in den See nahe der Firma zu hüpfen. Nach dem Sonnenuntergang haben wir uns ein kurzes Dinner gegönnt, um dann in Chuzhous Nachtleben zu starten (es war das letzte Wochenende unseres holländischen Praktikanten und es hat eine neue Disko eröffnet). Gegen 20:00 Uhr gab es hier übrigens ein kleines Erdbeben. Aber nur ganz leicht. Hat man kaum gespürt.

Samstag, 21.07.: Erst mal habe ich lange ausgeschlafen (am Vorabend ist es dann doch etwas später geworden – ihr kennt mich). Um 15:30 hatte dann die Firma einen Sportplatz hinter einer der zahlreichen Schulen in Chuzhou gemietet. Dort fand dann das Derby zwischen den Fußballprofis aus der Abteilung ME (Manufactoring Engineering) und PD3 (Production 3) statt. Ich gehöre leider zu keiner der Abteilungen, die PD3 hat mir aber vorübergehend Asyl gewährt.
Nach 90 Minuten hatten wir diese Teiletauscher dann in ihre Schranken gewiesen und mit einem klaren 6:3 vom Platz geschickt. Das war auch ein ganz guter Anlass für meinen Mitbewohner und mich, unsere Wettschuld beim Chef der PD3 zu begleichen (hatten ein paar Wochen zuvor eine Wette um jeweils einen Kasten Bier verloren. Darüber haben wir uns dann alle gemeinsam nach dem Spiel hergemacht).
Nachdem wir geduscht und unsere Wunden geleckt hatten (habe mir auf dem Kunstrasen leichte Verbrennungen am Ellbogen zugezogen, nachdem ich gefoult wurde. Außerdem habe ich eine riesige Blase am Fuß von meinen gefälschten Nike-Fußballschuhen), haben wir uns dann zum Abschiedsdinner für unseren Holländer getroffen (all-you-can-eat Barbecue für 60RMB (~7,50€)). Anschließend ging’s dann noch in eine Kneipe und wieder in die Disko. Diesmal ist es aber nicht ganz so spät geworden wie am Freitag, da wir von der Kickerei bei knapp 40°C ziemlich erledigt waren.

Sonntag, 22.07.: Unter heftigen Schmerzen am ganzen Körper (habe Muskelkater an Muskeln, die ich bis dato gar nicht kannte) habe ich mich aus dem Bett gequält, um unseren Holländer zu verabschieden. Der wird jetzt noch ein paar Tage in Qingdao und anschließend in Beijing verbringen, von wo aus er dann nächste Woche nach Amsterdam fliegen wird.
Anschließend bin ich dann mit einem Kollegen wieder an den See gefahren. Da die Steine dort aber deutlich zu heiß waren, um dort länger rumzuliegen, und auch das Wasser nicht richtig für Abkühlung sorgen konnte, haben wir das Sonnenbad nach ca. 1,5h wieder beendet, um in unsere klimatisierten Apartments zu fliehen.

War wieder ein super Wochenende. Jetzt aber zu meinem Trip zum Yellow mountain letzte Woche:

Am Freitag, den 13.07. hatte ich mir Urlaub genommen, um mit ein paar Kollegen (mein Supervisor und zwei Mädels und ein Typ aus der QM) zum Yellow mountain (Huang Shan) zu fahren (die Reise wurde von einem lokalen Reisebüro organisiert und hat 430RMB (~54€) gekostet. Busfahrten, Essen Unterkunft und Eintritt zum Huang Shan included). Um 06:00 (!!!) ging’s vom People’s Square in Chuzhou los mit dem Bus auf eine fünfstündige Reise ans andere Ende der Anhui Province. Als wir den Jangtse überquert haben, haben wir auch ein Schiff entdeckt, das es offensichtlich nicht mehr ganz gepackt hat:

  Schiffswrack

Als wir angekommen sind, hätten wir erstmal zwei Stunden lang ein Tal besichtigen können, das ganz toll sein soll. Da das aber 100RMB Eintritt gekostet hätte, haben wir uns das gespart und sind stattdessen in einen kleinen Bach gehüpft, der ganz in der Nähe war. Dort haben wir auch ein kleines Picknick veranstaltet (bei dem ich genötigt wurde, einen Hühnerfuß zu essen. War kein großes Vergnügen).

Bach bach bach bach

Im Anschluss ging es dann weiter zu einer Wildwasser-Rafting Tour. So hat zumindest Google translate mir das Reiseprogramm übersetzt. Tatsächlich war es ein kleiner Bach, wo man ein Gummiboot für 2 Personen mieten konnte (100RMB) und ca. 5 Mal war eine kleine Rutsche eingebaut, die man mit dem Boot runterrutschen konnte. War also nicht soooo aufregend. Recht lustig waren die Wasserschlachten zwischen den 5 Stufen. Ich war mit meinem Supervisor in einem Boot und da wir das einzige deutsch-chinesische Team waren, waren wir ein äußerst beliebtes Ziel für die anderen Teilnehmer. Alle haben sie uns angegriffen. Allerdings möchte ich jetzt auch nicht unbedingt ausschließen, dass der ein oder andere Erstschlag von unserer Seite ausging. Aber wer weiß das denn noch so genau im Nachhinein…

Da die ganze Geschichte eine eher feuchte Angelegenheit war, habe ich leider die Kamera im Bus lassen müssen.

Anschließend ging’s zum Dinner (war nicht so gut, aber was soll’s) und dann haben wir unser Hotel bezogen. Am nächsten Tag hat unsere Reiseleiterin meinen Kollegen erzählt, dass sie wohl ziemliche Probleme mit dem Hotelbesitzer hatte, weil er keine Ausländer aufnehmen darf. Es ist wohl so, dass Ausländer „aus Sicherheitsgründen“ nur in 3 oder mehr Sterne Hotels einchecken dürfen… eine richtige Erklärung konnte mir keiner der Anwesenden liefern, aber ich hab‘ da so eine Theorie.
Irgendwie hat es die Reiseleiterin allerdings doch geschafft den Hotelbesitzer davon zu überzeugen, dass ich kein allzu großes Sicherheitsrisiko darstelle.

Am nächsten Morgen gab es dann um 04:00 Uhr (!!!!!!!!!!!) Frühstück, da wir um 04:30 zum Yellow mountain gefahren sind. Als ich das gehört habe, hat mich fast der Schlag getroffen. Das Frühstück habe ich dann kurzerhand gecancelt und mich mit einem Apfel im Bus zufriedengegeben. Gegen 05:30 sind wir dann auch schon am Fuße des Berges angekommen (der Grund für die frühe Anreise war, dass immer so viel los ist wenn man später kommt. Aber das hätte ich doch lieber in Kauf genommen). Wir hätten die Möglichkeit gehabt (gegen ein geringes Entgelt), mit der Seilbahn raufzufahren. Aber wir wollten den Berg zu Fuß über die geschätzten 10.000 Stufen erklimmen (außer uns noch ganze 4 andere Leute aus dem Bus). Unsere Mühen wurden dann mit einigen schönen Ausblicken belohnt:

  Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan Huang Shan

Als wir den ersten Gipfel (Lion Peak) erreicht hatten, hat sich dann leider langsam das Wetter verschlechtert. Hier ein Bild von uns 5:

  Huang Shan

Danach sind wir noch von Gipfel zu Gipfel gewandert (alle mit wohlklingenden Namen wie „Lotusblütengipfel“, etc.). Die letzte Station war der höchste Gipfel.

  Huang Shan Huang Shan

Inzwischen war es ziemlich windig, regnerisch und v.a. neblig. Das war etwas schade, denn von diesem Gipfel soll man die schönste Aussicht haben. Wir haben allerdings nur noch ca. 10m weit gesehen.

Ganz lustig war, dass die Chinesen alle die gleichen Regencapes hatten (im weitesten Sinne handelt es sich dabei um einen Müllsack mit Löchern drin. Richtige Wanderausrüstung hat da keiner. Die konnten gar nicht glauben, dass meine Jacke UND mein Rucksack wasserfest sind und haben mich ständig gefragt, ob ich nicht auch lieber so ein Regencape will. Hab dankend abgelehnt.):

  Huang Shan Huang Shan

Teilweise musste man wegs dem Wind ganz schön aufpassen, dass man nicht die steilen Treppen runterfällt. Dennoch haben wir aber natürlich auch noch genug Gelegenheiten zum Rumblödeln gefunden:

  Huang Shan Huang Shan

Gegen Nachmittag ging es dann noch in ein Teehaus, wo nach einer kurzen Präsentation versucht wurde, uns unser Geld aus der Tasche zu ziehen (leider hat man das hier bei allen Touristentrips). Der grüne Tee aus Huang Shan soll übrigens einer der besten von ganz China sein. Habe mir auch 100g davon gekauft (allerdings in einem normalen Laden und nicht in der Tourifalle). Dann ging es zum Abendessen. Das hat schon vor dem Bus auf uns gewartet:

Hühnchen

Nachdem wir uns noch ein Bierchen im Hotel gegönnt haben, sind wir ziemlich erschöpft gegen 22:00 ins Bett gefallen.

Habe im Supermarkt auch wieder ein ganz nettes Fakeprodukt gefunden. Das bekannteste (und beste) Bier in China ist Tsingtao, benannt nach der (ehemals deutschen Kolonie) Stadt Qingdao. Eine andere Brauerei stellt deshalb ein Bier namens Jinlao her. Nicht nur der Name klingt recht ähnlich. Hier Original und Plagiat:

  Jin Lao Tsing Tao

Am Sonntag hat mich dann erneut der Schlag getroffen, weil es um 05:00 (!!!!!!!!!) losging. Wir haben ein kleines Dorf besichtigt (Hongcun). Das Besondere an dem Dorf ist, dass es noch ziemlich genau so aussieht wie vor ein paar 100 Jahren und man ganz gut erahnen kann wie damals das Leben war (heute wohnen dort noch ca. 1400 Menschen, aber inzwischen mit Elektrizität und fließend Wasser). Hier ein paar Eindrücke:

  Hongcun Hongcun Hongcun Hongcun Hongcun

Nachdem wir im Anschluss noch ca. 5 weitere Tourifallen besuchen mussten, wo uns alles Mögliche an unnützen Gegenständen feilgeboten wurde (die die Chinesen auch noch gekauft haben), ging es dann wieder Richtung Heimat. Gegen 21:30 bin ich dann ziemlich müde und mit heftigem Muskelkater in den Beinen ins Reich der Träume abgedriftet.

Alles in allem war auch das ein super Wochenende und es war schön, auch mal etwas anderes zu sehen, als immer nur Großstädte. Und der Yellow mountain ist einfach eine gigantische Landschaft. Das muss man mal gesehen haben.

So, jetzt habt ihr wieder was zum Lesen. Macht’s gut!

Ein Jubiläum jagt das nächste...

Mittwoch, 27.06.2012

Da hatte ich gerade noch meine Halbzeit und schon hab' ich mein hunderttägiges Jubiläum. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Zeit hier schneller vergeht als daheim.

Dann nehme ich diesen Tag mal zum Anlass, um euch von unserem Trip nach Xi'an (西安; xi = Westen, an = Frieden) zu berichten.

Vorab aber noch eine kleine kulinarische Exkursion:

Heute beim Mittagessen haben unsere Kollegen unter anderem (mal wieder) Huhn geordert. Das sieht hier so aus, dass man all die Teile des Huhns die ich zu Hause wegwerfen würde vorgesetzt bekommt. Allem voran natürlich der Kopf und die Füße (ich hoffe, man kann es auf dem Foto erkennen. Meine Handykamera ist nicht die beste):

Huhn

Das ist zwar nicht mehr allzu außergewöhnlich für uns da das häufiger vorkommt, aber ich hatte noch kein Bild davon hochgeladen.

Dann versuche ich mal, unsere Reise nach Xi'an zu rekapitulieren:

Donnerstag, 21.06.2012:

1630: Zeitig Feierabend gemacht und noch schnell im Restaurant gegenüber der Firma ein Abendessen reingeschlungen. Leider habe ich irrtümlich auf das falsche Gericht auf der Karte gezeigt und statt Curry-Reis mit Ei und Huhn einfach nur Ananas und Tofu bekommen. Dazu eine Schüssel Reis. Naja, hab' das Zeug verdrückt denn wir mussten auf den Bahnhof. Diesmal leider nicht zu unserem geliebten Südbahnhof (für die Superfast trains (G- & D-Trains)) der sauber und leer ist, sondern zum Citybahnhof, von dem aus die K-Trains starten. Schon beim reinlaufen merkt man, dass alles dort dreckig, stickig und überfüllt ist. Ich habe auch Bilder von den Toiletten gemacht, da ich so etwas noch nie gesehen habe, aber das erspare ich euch jetzt mal.

1741: Mit dem Zug und gefühlten 1mio anderen Mitreisenden ab nach Nanjing.

1825: Ankunft in Nanjing. Als erstes haben wir festgestellt, dass hier noch viel mehr los war. Aber wir waren eh schon total durchgeschwitzt, deswegen haben wir uns einfach wacker durchgekämpft.

Bahnhof Nanjing

1855: Wir hatten unser Abteil erreicht. Auf der Hinfahrt haben wir standesgemäß im Soft-Sleeper residiert, was so etwas wie die 1. Klasse der Schlafwaggons ist. Man hat hier 2 Stockbetten und eine Tür zum Abschließen. Das war gar nicht so übel. So richtig tief schlafen konnte man natürlich trotzdem nicht.

Soft-Sleeper

Freitag, 22.06.2012:

0600: Nach einer unruhigen Nacht wollte ich mich aufgrund der Helligkeit in unserem Abteil (in China gibt es leider nur eine Zeitzone und wir sind relativ weit im Osten, deswegen wird es ab ca. 4:30 hell) schon langsam auf die Suche nach etwas essbarem machen, als mein Blick zufällig die Uhr auf meinem Handy streifte.

0800: Nach einigem hin- und herwälzen habe ich so langsam meine müden Knochen erhoben und mich über meinen Reiseproviant hergemacht.

11:00: Ankunft in Xi'an. Als wir aus dem Zug ausgestiegen sind, hat uns fast der Schlag getroffen da die Temperaturen schon relativ nah an den 40°C waren. Nachdem wir vergeblich versucht hatten ein Taxi zu ergattern, haben wir uns dann doch für ein Tuc-Tuc entschieden. Ist etwas schöner, allerdings weniger komfortabel und deutlich gefährlicher (und teurer) als ein Taxi. Aber das Hostel war nicht weit, deshalb ging das schon.

Tuc-Tuc Tuc-Tuc

~1300: Nachdem wir die verschwitzten Klamotten losgeworden sind und erstmal eine kalte Dusche genommen hatten, haben wir uns mal auf den Weg Richtung Stadtmauer gemacht.

Stadtmauer (Südtor) Stadtmauer (Südtor) Stadtmauer (Südtor)

Die geht einmal im Quadrat um Xi'ans Innenstadt rum und ist komplett restauriert. Die Maße betragen (laut Wikipedia) 13,6km Länge, 12m Breite (oben) und 12m Höhe. Da kann die Giengener Stadtmauer einpacken. Aber im Mauern bauen waren die Chinesen schon immer besser. Wir haben uns dann oben drauf ein paar Fahrräder gemietet (mein Mitbewohner und ich haben uns für das leicht homoerotische Tandem entschieden) und in der glühenden Mittagshitze eine Runde um die Innenstadt gedreht.

Stadtmauer StadtmauerStadtmauer Stadtmauer Stadtmauer Stadtmauer Fahrräder Tandem

Da wir mit so ziemlich allem gerechnet hatten, außer blauem Himmel, haben wir uns im Anschluss auch gleich dort oben diese (ebenfalls leicht homoerotischen) Hüte zugelegt (immerhin hatten wir am nächsten Tag eine Wandertour auf dem Hua Shan geplant).

Hüte

~1600: Nachdem wir uns kurz im Hostel regeneriert hatten, hat sich bei uns auch schon ein leichtes Hungergefühl in der Magengegend breitgemacht. Deshalb haben wir uns auf den Weg zur Muslim street (in Xi'an gibt es eine relativ große muslimische Minderheit) gemacht, wo es ein kleines Straßenrestaurant am anderen gibt. Dort haben wir uns durch allerlei lokale Köstlichkeiten durchprobiert (so richtig kann ich nicht beschreiben, was es alles war).
Dann haben wir noch einen kleinen Fake-Market entdeckt, wo ich kleine Terracotta-Soldaten für meine chinesischen Kollegen besorgt habe. Wir wurden zwei Tage später von einem Spanier gewarnt, dass das kein gutes Geschenk für Chinesen sei, da es sie wohl an den Tod erinnert (immerhin bewachen die ein Grab), aber die kamen trotzdem ganz gut an.
Anschließend sind wir dann mit dem Tuc-Tuc (Taxis waren immer noch Mangelware) zurück zum Hostel gefahren, wo wir uns noch ein paar Kaltgetränke in einer Art Biergarten gegönnt haben und gegen 2300 ging es dann auch schon in die Heia.

  Muslim Street Muslim StreetTuc-Tuc

Samstag, 23.06.2012:

0215: Nach knapp 3h Schlaf klingelte auch schon der Wecker und mein Kollege und ich haben uns auf den Weg zur nahegelegenen Bar-Street gemacht, um das Deutschlandspiel anzuschauen. Bei der Gelegenheit haben wir noch ein paar Jungs aus Stuttgart kennengelernt, mit denen wir dann noch ein paar Bier getrunken haben.

0600: Später als geplant ging es wieder zurück ins Bettchen.

0900: Nach weiteren knapp 3h Schlaf ging es wieder raus. Wir haben uns dann mit einem europäischen Frühstück für den Wandertrip auf dem Hua Shan vorbereitet.

1400: Wir sind am Fuße des Berges angekommen und haben erstmal nicht schlecht gestaunt, dass der dämliche Berg Eintritt (!!!) kostet. Und zwar schlappe 180RMB (ca. 22,50€). Zuzüglich 40 RMB Busfahrt sind wir dann zur Talstation der Gondel gekommen. Da es 41°C hatte, haben wir uns den Fußweg nach oben gespart und nachdem wir weitere 130RMB (ca. 16€) berappt hatten, konnten wir dann die nächsten 40min in der Schlange für die Gondel warten.

Gondelschlange Gondelschlange

Wie man sieht, waren wir nicht die einzigen mit dämlichen Hüten auf, deswegen hat das schon gepasst.

Oben angekommen wurden wir zwar mit einer Top-Aussicht belohnt, aber bald mussten wir uns eingestehen, dass das mit der vierstündigen Wandertour absolut nichts wird, weil dort einfach Unmengen an Leuten waren und wandern konnte keiner von denen, weswegen es einfach nicht voran ging.
Man muss dazusagen, dass es dort nicht verschiedene Wege gibt, wie beispielsweise in den Alpen, sondern es gibt einen betonierten Pfad mit Geländern an beiden Seiten, den man quasi nicht verlassen kann. Alle paar 100m kommt dann auch irgendein Tempel-Nachbau, wo man sich für teures Geld Essen und trinken kaufen kann.
Völlig enttäuscht haben wir dann da oben ein paar Bilder geschossen und uns wieder in die Schlange zur Gondel eingereiht.

Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan Hua Shan

~1800: Zurück im Hostel haben wir uns kurz regeneriert und dann vor Ort ein westliches Abendessen (Pizza!!!) gegönnt. Für den Preis (88RMB = ~11€) hätte ich zwar in Chuzhou eine Woche lang zum Mittagessen gehen können, aber ab und an muss das eben mal sein.

Anschließend wollten wir mal ein bisschen Xi'ans Nachtleben austesten. Erst waren wir noch einmal in der Barstreet, weil es da in einer Bar Tsing-Tao für 10RMB (~1,20€) gab.

Bar street Stadtmauer bei Nacht

Dann wollten wir weiterziehen. Dazu haben wir uns von den Damen an der Rezeption zwei Diskos empfehlen lassen. Allerdings waren beide 1. überteuert und 2. überfüllt, weswegen wir schon gegen 2400 erneut im hauseigenen Biergarten gesessen sind.

Das war aber gar nicht so schlecht, denn am nächsten Tag hatten wir schon wieder einiges geplant.

Sonntag, 24.06.2012:

~0800: Nach immer noch zu wenig Schlaf haben wir uns ein letztes Mal mit europäischem Frühstück gestärkt und dann wurden wir auch schon zur Kaffefahrt (230RMB =~29€) Richtung Terracotta-Armee abgeholt. Vorher ging es zur obligatorischen Firmenbesichtigung, wo Nachbildungen der Terracotta-Krieger gefertigt werden und natürlich wollte man uns dort auch allerlei Müll (Terracotta-Krieger, Jade, Seide, Möbel, Teppiche, ...........) andrehen.

Nachdem das durchgestanden war, ging es dann tatsächlich zur Fundstätte der weltberühmten "Soldiers and horses":

Terracotta-ArmeeTerracotta-ArmeeTerracotta-ArmeeTerracotta-Armee Terracotta-Armee    Terracotta-Armee

Das war ca. 15min ganz interessant und anschließend wurden wir noch durch ca. 5-6 Läden getrieben, wo versucht wurde, uns den gleichen Schund wie vorher auch anzudrehen (wohl gemerkt: In jedem Laden gab es exakt das gleiche). Als unsere Touri-Führerin dann etwas zerknirscht feststellen musste, dass wir a) weder etwas kaufen wollten und b) nicht gewillt waren ihr Trinkgeld zu geben, hat sie uns dann aber zum Glück noch zum Bus gebracht, mit dem es dann zum Bahnhof in Xi'an ging.

Dort erwarteten uns bereits (wer hätt's gedacht) unglaubliche Menschenmassen.

Bahnhof Xi'an Bahnhof Xi'an

Das kommt glaube ich auf den Bildern gar nicht so richtig rüber.

1720: Wir hatten uns bis zu unserem Abteil durchgekämpft. Diesmal hatten wir Plätze im "Hard-Sleeper". Hier hat man pro Abteil links und rechts 3 Betten und die Abteile sind nicht durch Türen vom Gang abgetrennt, weswegen man sich mitten im regen Treiben befindet.

Hard-Sleeper Hard-Sleeper Hard-Sleeper Hard-Sleeper

Bevor wir uns niederlassen konnten, mussten wir allerdings zunächst eine Mutter mit Kind aus einem unserer Betten vertreiben. Da die Chinesen in der Regel auch nicht allzu rücksichtsvoll sind, fällt uns das inzwischen gar nicht mehr so schwer.

2200: Zapfenstreich! Plötzlich war alles dunkel. Aber wir sind sowieso bereits in den Kojen gelegen und haben vor uns hingedöst.

Montag, 25.06.2012:

0600: Durch die sanfte Stimme der Zeitschriftenverkäuferin gepaart mit einer Zugentgleisung (hat sich zumindest so angefühlt. War aber wohl nur ein leichtes Abbremsen) wurde ich mehr oder weniger sanft aus dem Schlaf gerissen und musste feststellen, dass ich leider nicht im heimischen Bettchen bin, sondern irgendwo in der chinesischen Einöde.

0740: Mit leichter Verspätung kamen wir erschöpft aber glücklich am Bahnhof in Chuzhou an. Jetzt mussten wir fix sein, haben uns ein Taxi geschnappt, das Gepäck heimgebracht, kurz geduscht und um 08:27 habe ich gerade noch rechtzeitig auf der Arbeit eingestempelt.

Damit ging ein stressiges, teilweise enttäuschendes, aber alles in allem doch irgendwie schönes Wochenende vorbei.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Gute und (trotz der Länge des Eintrages) viel Spaß beim Lesen!

Ciao!

P.S.: Ich merke gerade beim erneuten Durchlesen, dass dieser Eintrag nicht zu meinen rhetorischen Höchstleistungen gehört. Aber der Artikel ist lang und die von mir gewählte Erzählform erfordert die verschiedensten Vergangenheitsformen. Da es jetzt aber höchste Zeit für's Bett wird, belass' ich es jetzt einfach dabei. Erfreut euch einfach an den Bildern!

Halbzeit!

Donnerstag, 14.06.2012

Hallo!

Wie viele von euch vermutlich bereits wissen, hatte ich am Montag meine Halbzeit. Das nehme ich zum Anlass, um mal ein kleines Zwischenfazit zu ziehen:

Während meines bisherigen Aufenthaltes...

...war ich

  • 5x in Shanghai
  • 1x in Beijing
  • 1x in Wushi
  • 1x in Nanjing
  • 4x bin ich über's Wochenende in Chuzhou geblieben

Das ist gar keine sooo schlechte Statistik finde ich. Allerdings stelle ich mit Blick auf den Kalender fest, dass zwischen den Unternehmungen die ich gerne machen würde und den dafür verfügbaren Wochenenden eine zunehmende Diskrepanz besteht.

...desweiteren habe ich...

  • unzählige neue Speisen ausprobiert
  • Unmengen an Geld ausgegeben
  • einmal Falschgeld aus dem Geldautomaten bekommen
  • 468h gearbeitet
  • insgesamt 70 RMB (knapp 9€) für 3 Friseurbesuche bezahlt
  • in 10 verschiedenen Ho(s)tels übernachtet
  • 1x die Verwandschaft in Shanghai getroffen
  • ~50 Kakerlaken und das Doppelte an Stechmücken erlegt
  • ca. 1000x während einer Taxifahrt mein Leben an meinem inneren Auge vorbeiziehen sehen
  • ...

Wie ihr vielleicht festgestellt habt, sind mir am Schluss etwas die Ideen ausgegangen. Ich wüsste noch den ein oder anderen Punkt, aber wie so oft ist das nicht die richtige Plattform dafür.

Die Geschichte mit dem Falschgeld hat sich übrigens so zugetragen:

Ich habe mal wieder dem Geldautomaten einen Besuch abgestattet und als ich mit dem Geld heute im Restaurant bezahlen wollte, wollte die junge Dame einfach nicht den 100RMB (ca. 12,50€) Schein annehmen. Bei genauerer Betrachtung viel mir dann auf, dass der sich in gewissen Punkten von den anderen Scheinen unterschied...
Naja, c'est la vie. Was mich allerdings an der Geschichte nervt ist: WARUM fällt der Bedienung im Restaurant innerhalb kürzester Zeit auf, dass es sich um eine Blüte handelt, aber bei der Bank bemerkt es keine Sau?!

Kleiner Tipp für Chinareisende: Prüft das Geld direkt nach dem Abheben, lasst euch die Quittung ausdrucken und haltet die Scheine die euch komisch vorkommen in die Kamera. Dann habt ihr eventuell Chancen, das Geld zurückzubekommen.

Die Geschichte mit den Friseurbesuchen ist auch interessant:

Wir haben hier unseren Stammfriseur. Man kennt uns dort (wie überall in der Stadt). Da gehen wir einfach rein und werden wortlos zum Waschbecken geleitet, wo wir erstmal den Kopf gewaschen bekommen. Dann setzen wir uns (ebenso wortlos) in den Stuhl und der Kollege fängt an, lustig draufloszuschneiden. Nach ca. 20min bekommt man dann nochmal eine Kopfwäsche und nach ein paar weiteren Korrekturen wird man dann mit einem "very good!" entlassen. Das ist auch die einzige Konversation, die während der ganzen Geschichte stattfindet (für Männer eigentlich optimal). Die Geschichte kostet dann 30RMB (normalerweise), aber seit ich da mal meine Stammwirtin drin getroffen habe, muss ich nur noch 20RMB bezahlen.
Für das Geld muss man sich natürlich nicht wundern, wenn die Schere mal ein bisschen ziept.
Und obwohl es keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten gibt, machen die Jungs alles in allem einen sehr guten Job (natürlich ist es daheim bei meinem Brinchen besser ;-) ).

Sooo... wie oben schon erwähnt, waren wir ja schon einige Male in Shanghai. Letztes Wochenende habe ich endlich mal ein paar der klassischen Sightseeingpunkte abhaken können. Allem voran natürlich der Shanghai World Financial Center. Seines Zeichens mit 492m das höchste Gebäude Chinas und das vierthöchste der Welt:
World Financial Center Aussicht auf den Pearls Tower Aussicht Aussicht 2 Aussicht 3 Super View point...
Mit der Aussicht hatten wir leider nicht allzu viel Glück... Der Smog in Shanghai halt... (auch wenn es nicht so aussieht, es hatte 38°C und ca. 85% Luftfeuchtigkeit. Wir wären fast eingegangen).
Vorher sind wir noch zufällig über den People's square flaniert und -ohne es zu wissen- in Shanghais berühmt berüchtigtem Marriage-Market gelandet. Dort versuchen jedes Wochenende chinesische Eltern ihre Töchter unters Volk zu bringen.
Wir waren dort durchaus gefragt und ein verzweifelter Vater hatte mich schon fast soweit, dass ich seine 23jährige Tochter mitnehme, aber dann wurde ich doch von den anderen zum Weitergehen genötigt. Mir ist dann auch eingefallen, dass ich ja vor meiner Abreise meiner Vermieterin versprechen musste, dass ich keine Chinesin mitbringe...
Dann schiebe ich diese Geschichte halt auf meinen nächsten Chinabesuch auf.
Marriage market Marriage Market
Außerdem habe ich mich auf dem Fakemarket noch ein bisschen mit Fußballtrikots eingedeckt und am Abend habe ich mich dann mit der Verwandschaft zum Dinner getroffen (danke nochmal für die Einladung!). Anschließend sind wir noch über den Bund bei Nacht flaniert:
Mahnmal (kommunistische Revolution) Pearls Tower bei Nacht (ehemaliger) Signalturm Bund bei Nacht

Am Samstagabend sind wir dann (natürlich) zum Fußballschauen gegangen. Wir haben auch bald eine Bar gefunden, die eine Tribüne aufgestellt hatte. Zum ersten Spiel waren wir allerdings so ziemlich die einzigen in weißen/grünen Trikots:
Hopp Holland hopp!
Nachdem die allerdings etwas geknickt abgezogen sind, hat sich der Laden mit Deutschlandfans gefüllt. Da das Spiel allerdings erst um 02:45 Ortszeit angepfiffen wurde, habe ich aus irgendeinem Grund davon keine Bilder mehr gemacht... ;-)

A propos: Da habe ich mir heute Nacht tatsächlich den Wecker gestellt und dann kriege ich aufgrund dieser elends-langsamen Internetverbindung hier den Livestream nicht richtig zum Laufen!!!
Hab mich dann frustriert zurück ins Bett verzogen und noch versucht, eine Runde zu knacken bevor ich zur Arbeit musste.

Jetzt muss ich aber langsam schlussmachen für heute. Hier noch ein kurzer Ausblick auf die kommenden Wochen:

Morgen geht's nach Nanjing, da sind wir von einem der Chefs am Samstag zum Barbecue eingeladen worden. Wird bestimmt klasse!

Nächstes Wochenende ist am Freitag Feiertag, d.h. wir fahren Donnerstag nach der Arbeit mit dem Übernachtzug nach Xi'an (15:36h), dann verbringen wir dort den Tag und wenn es kühler wird, erklimmen wir noch den "gelben Berg" (Huang Shan). Dann besichtigen wir noch die (recht berühmte) Terracotta-Armee und sonstige Sehenswürdigkeiten und von Sonntag auf Montag geht's dann wieder mit dem Übernachtzug nach Chuzhou (~14:30h). Dort kommen wir dann Montagmorgen um 07:35 an und um 08:30 (spätestens!) sollte ich dann auf der Arbeit stehen. Wird ein knackiges Wochenende und ich hoffe, wir können im Zug ein bisschen schlafen.

Aber wir sind ja noch jung. Wir packen das schon!

Dann hoffe ich mal, dass sich die Nationalelf weiterhin wacker schlägt und wünsche euch viel Spaß beim Zuschauen!

Macht's gut und seid lieb!

P.S.: Wir haben mit den chinesischen Kollegen eine EM-Wettgemeinschaft gestartet und ich wurde bereits meilenweit abgehängt ;-)

Hühnerfüße, Arbeitssicherheit und Badespaß.

Mittwoch, 30.05.2012

Nimen hao!

Habe gerade mal mein Handy durchforstet und festgestellt, dass ich wieder genug Material für einen weiteren Blogeintrag habe (habe auch mal eine Überschrift gewählt, die auf den Inhalt schließen lässt. Mal schauen, ob das einen Einfluss auf die Anzahl meiner Leser hat).

Vorher aber noch was anderes:

In meinem Account auf Auslandsblog.de wird mir immer angezeigt, über welche Suchmaschinenanfragen mein Blog gefunden wurde. Manchmal ist das ganz amüsant. Hier z.B. der heutige Auszug:

12 jottis.auslandsblog.de
3 jotti in china
3 jottis blogg china
2 jotti china
2 chuzhou auslandsblog
2 jottis auslandsblog
1 jotti block china
1 jottis.auslandsblog
1 kann ich in china ein weisses hemd tragen
1 öffentliche-toiletten in peking

Mit den letzten beiden Spezialisten möchte ich folgende Erfahrungen teilen:

-Ich habe in China schon des öfteren ein weißes Hemd getragen und es ist mir bisher ganz gut bekommen. Je nachdem, wo man zum Essen hingeht, ist dies aber nicht unbedingt empfehlenswert (hängt natürlich auch von den Essstäbchen-Fähigkeiten des Trägers und seiner Nebensitzer ab).

-Öffentliche Toiletten in Peking sind zu Genüge vorhanden. Der Zustand ist Geschmacks- und Gewöhnungssache. Für Neulinge empfiehlt es sich, auf die Lokalitäten im Hotel zurückzugreifen. Der Vorteil der öffentlichen Toilette ist allerdings: Da es weder eine Schüssel, noch einen Toilettenpapierspender gibt, kommt man (von der Türklinke abgesehen) nicht in Kontakt mit kontaminierten Oberflächen.

Sooo. Dann hätten wir das schonmal abgehakt.

Habe heute übrigens auf der Arbeit schon von einem Ingenieur aus der Prozessoptimierung das Kompliment bekommen, dass ich meine Arbeit "strict and excellent" erledigt habe. Damit habe ich wohl wieder den Ruf der Deutschen erfolgreich verteidigt. :-)
Habe mich natürlich sofort für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit bedankt und mit einem (sinngemäßen) "gemeinsam-packen-wir-das" geantwortet. So scheint sich das hier zu gehören. Ein Dankeschön ist aber auch in Deutschland nicht unbedingt verkehrt.

Inzwischen müssten jetzt aber auch meine Bilder hochgeladen sein, d.h. ich kann gleich weitermachen.

Es gibt hier ja einige schöne Dinge zu sehen, aber an viele Dinge (den allgegenwärtigen Lärm, das Rumgespucke, die schwüle Hitze,..) kann man sich einfach nicht gewöhnen. Ein weiterer Punkt wäre dieser hier:

Hühnerfüße

Es war ja eine gut gemeinte Geste, dass die uns in der Disko die Hühnerfüße (rot markiert) kostenlos zu den Getränken dazugegeben haben, aber ich hätte doch lieber verzichtet. Die Chinesen die zu uns an den Tisch kamen, haben die Dinger aber mit Vorliebe laut schmatzend abgeknabbert. Gerade bei Mädels finde ich das jetzt nicht unbedingt attraktiv.

Freundlich wie die Chinesen nun mal so sind, erhält man in den Bars und Diskotheken auch allerlei Hinweise. Manche nützlich und manche wohl gelegentlich notwendig. Hier zwei Stilblüten:

(klebte auf der Bar in einer Disko in Shanghai)
Angesichts horrender Preise hatten wir allerdings auch nicht vor, unsere Drinks zu verschwenden. Im Paulaner Beergarden in Nanjing sind wir dann auf folgenden Hinweis gestoßen:

Auch das hatte ich nicht vor, da das Maß dort immerhin 100RMB (ca. 12€) kostet.

Jetzt ein kleiner Schnitt:

In meiner Anfangsphase hat mich etwas erschrocken, dass ein Menschenleben hier einfach weniger wert ist. Inzwischen kann ich das allerdings - angesichts massiver Überbevölkerung und ihrer Folgen - zwar nicht billigen, aber zu einem gewissen Teil nachvollziehen. Richtig erschreckend finde ich eher, dass den Leuten offensichtlich ihr EIGENES Leben (oder zumindest ihre Gesundheit) nicht besonders viel Wert zu sein scheint. Dies sieht man täglich im Straßenverkehr, bei der Arbeit, oder auch an folgendem Beispiel:

In den roten Kreisen unterhalten sich zwei Jungs über 15 Stockwerke hinweg (der untere ist im 5. Stock und der obere im 20.) über dem Abgrund, ohne irgendwelche Sicherheitszäune, -gurte, etc.
Immerhin haben beide einen Helm auf. Das ist ja auch schonmal was.

Und damit wieder zu erfreulicheren Themen:

Gestern haben wir erfahren, dass es hier am Stadtrand einen See gibt. Leider war der Tag ziemlich verregnet (dennoch hatte es 25°C), weswegen wir nicht gleich nach Feierabend reingehüpft sind.

Trotzdem wollten wir uns die Geschichte mal anschauen und ich muss sagen, es ist besser als ich jetzt erwartet hätte. Es scheint sich dabei wohl um das "Trinkwasser" - sagen wir eher "Leitungswasser"-Reservoir von Chuzhou zu handeln. Hier ein paar Eindrücke (wie gesagt, das Wetter war nicht auf unserer Seite):

Bei Sonne ist das aber bestimmt nicht schlecht. Mein Supervisor hat mir allerdings davon abgeraten, weil in diesem See anscheinend jährlich 5-10 Leute ertrinken. Im Gegensatz zu den meisten Chinesen kann ich jedoch schwimmen.
Eine wirkliche Gefahr scheint auch nicht von dem See auszugehen, denn sogar gestern waren hier ein paar unerschrockene Schwimmer unterwegs (wie man evtl. auf den Fotos sieht).
Dennoch zeige ich aber vorher einem Kollegen noch das Bild von diesem Turm am Ufer. Vielleicht stehen da in rot ein paar lebenswichtige Hinweise:

Die größte Sorge bereitet mir aber nach wie vor die Wasserqualität und das Viehzeugs das sich in dem See tummeln könnte. Glücklicherweise vermindert eine schlechte Wasserqualität drastisch die Anzahl der möglichen Angreifer im See.

Am Wochenende bleiben wir in Chuzhou und dann werden wir da mal reinhüpfen. Ich lasse euch wissen, wie es mir bekommen ist.

Damit verabschiede ich mich dann jetzt aber auch mal wieder Richtung Heia.

Viel Spaß beim Lesen und viele Grüße in die Heimat!

(Nach wie vor freue ich mich natürlich auch über Kommentare. Lasst mich wissen, was ihr so denkt.)

P.S.: Ganz vergessen: Am Sonntag habe ich in unserem Hostel in Nanjing eine Zeitung rumliegen sehen. Auf der Titelseite waren die Bilder einer Rettungsaktion. Die Seilbahn zur chinesischen Mauer (die wir vor ein paar Wochen benutzt haben) war wohl stehen geblieben und die Leute wurden nach mehreren Stunden mit Hilfe von Strickleitern von der Feuerwehr da rausgeholt. Glück gehabt! :-)

Die Arbeit...

Donnerstag, 24.05.2012

Hallo liebe Freunde, Verwandte und sonstige Leser,

auf mehrfachen Wunsch schreibe ich jetzt auch mal über meine Arbeit. Ich hoffe ihr versteht, dass ich da jetzt keine Bilder davon ins Netz stelle.

Am Anfang ging die Geschichte ziemlich schleppend los. Das lag zum einen daran, dass sowohl mein Betreuer, als auch mein Chef ziemlich viel um die Ohren hatten. Da musste ich mich dann mehr oder weniger allein zurechtfinden. Zum anderen lag es daran, dass es mir relativ schwer gefallen ist, Kontakt zu den anderen chinesischen Kollegen zu bekommen (der Schwabe braucht halt ein wenig, bis er auftaut). Und die Sprachbarriere ist ja auch nicht gerade klein.

Inzwischen läuft es aber recht gut, obwohl man sich jeden Tag mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert sieht. Über Langeweile kann ich auf jeden Fall nicht klagen.

Etwas nervig ist, dass viel Zeit dafür draufgeht, den Kollegen Erinnerungsmails zu schreiben. Ein "Ja, mache ich." ist hier etwas anders zu bewerten als in Deutschland. Das bedeutet nicht, dass die Chinesen prinzipiell unzuverlässig sind. Das hat eher kulturelle Hintergründe.

Generell bin ich der Ansicht, dass ich hier deutlich mehr Handlungsspielraum habe, als ich es in Deutschland als Praktikant hätte. Als Europäer und v.a. als Deutscher hat man hier einfach eine gewisse Sonderstellung, weil die Chinesen eine sehr hohe Meinung von den Deutschen haben (ein anderer Praktikant wurde letztens um 21:00 angerufen, dass er doch bitte in die Firma kommen soll, weil die Steuerung an einer Maschine zusammengebrochen ist und sie sich damit nicht auskennen. Er hat da halt überhaupt keine Ahnung davon, aber er ist trotzdem gekommen und nach einem längeren Telefonat nach Deutschland haben dann die deutschen Kollegen das Problem gelöst).

Dies bedeutet auch, dass man neben seinen eigentlichen Tätigkeiten auch in einige andere Dinge involviert wird. Wir Praktikanten helfen uns dabei gegenseitig nach Kräften, weil jeder so seine eigenen (englischsprachigen) Connections in der Firma hat. Aber im Grunde bin ich ja zum Arbeiten hier und wenn ich eine interessante Tätigkeit habe, macht mir auch die ein oder andere Überstunde nichts aus.

Desweiteren habe ich festgestellt, dass es ganz hilfreich ist, sich gelegentlich noch ein bisschen Zeit zu nehmen um einfach nur mit den Kollegen zu quatschen, bevor man sich in den Feierabend verabschiedet. Dabei erfährt man eigentlich immer einige hilfreiche Sachen, ob beruflich oder privat.

// Habe hier den Eintrag etwas gekürzt. Wollte ursprünglich ein bisschen mehr ins Detail gehen, aber erstens interessiert das doch keinen und zweitens ist das m.E. nicht der richtige Ort dazu.

Zum Abschluss habe ich hier noch ein paar Dinge, die mir sonst so aufgefallen sind:

  • Egal wo, es wird sehr stark auf Personal gesetzt. Der Automatisierungsgrad ist in eigentlich allen Bereichen (auch außerhalb der Firma) sehr gering. Die Gründe liegen auf der Hand.
  • Der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist (zumindest auf der sogenannten "Shop floor"-Ebene) quasi nicht vorhanden. Es sind deutlich mehr Frauen unterwegs, als ich es aus deutschen Unternehmen in vergleichbaren Branchen kenne. Und ich muss sagen, die Damen hier packen ganz tüchtig an.
  • Die gesamte Belegschaft ist um einiges jünger als in deutschen Firmen (liegt vermutlich auch daran, dass die Bevölkerung generell jünger ist)
  • Ansonsten gibt es noch einige Dinge, aber momentan fällt mir nichts mehr ein :-). Es wird aber auch langsam Zeit für's Bett

In diesem Sinne

Macht's gut!

Und an die Giengener: Viel Spaß auf dem Kinderfest. Der Marsch auf den "heiligen Berg" fehlt mir schon ein bisschen!

Beijing

Montag, 14.05.2012

Hallo!

Wie ihr der Überschrift entnehmen könnt, werde ich heute ein paar Erfahrungen aus der "nördlichen Hauptstadt", besser bekannt als Beijing mit euch teilen. Übrigens: nächstes Wochenende werde ich in Nanjing, der (ehemals) "südlichen Hauptstadt" verbringen. Früher gab es auch noch Xijing, die westliche Hauptstadt. Heute heißt die Stadt Chengdu und war laut Wikipedia 2006 unter den 4 lebenswertesten Städten Chinas (was auch immer das heißen mag...).
Da fällt mir noch eine kleine Story zu den chinesischen Städtenamen ein: Dieses Wochenende waren wir in Wuxi ("Hat kein Zinn"). Früher hieß die Stadt Youxi ("hat Zinn"), aber nachdem die Vorkommen erschöpft waren, wurde dann logischerweise Wuxi daraus.
Von Wuxi gibt es nicht allzuviel zu berichten. Am Samstag waren wir an dem drittgrößten See Chinas. Das Wetter war etwas weniger versmoggt, als es auf den Bildern aussieht, aber wirklich gut war es auch nicht. Immerhin hatte es eine Art Biergarten.
Auch das Nachtleben hat uns nicht so vom Hocker gerissen. Hier mal zwei Bilder vom See:

See Wuxi See Wuxi 2

Es haben zwar ein paar Leute gebadet, aber reinhüpfen wollte ich trotzdem nicht. Ich trau' dem Wasser hier keinen Zentimeter über den Weg.

Und da ich schon so schön abschweife, kann ich auch gleich noch erwähnen, dass ich jetzt endlich einen chinesischen Namen bekommen habe! Jeder meiner Kollegen hat sich zu Hause einen Namen überlegt und ich durfte ihn mir dann raussuchen.

Ich habe mich für "马 天成" entschieden. In Pinyin heißt das "Ma Tiancheng" (Ma = Pferd und auch ein häufiger chinesischer Nachname, der zufällig meinen Nachnamen ähnelt; Tian = Himmel; Cheng = werden (laut Google Translate); Tiancheng heißt aber wohl auch so viel wie erfolgreiche Person oder sowas).

Ok, jetzt aber zurück zum Thema: Am Vormittag des 29.04. haben wir uns auf den Weg nach Beijing gemacht. Nach 3:47h waren wir dann auch da und sahen uns mit dem ersten Problem konfrontiert: Wo ist unser Hotel?
Jetzt sind wir ja schon ein bisschen erfahren im Umgang mit Land und Leuten, d.h. wir hatten natürlich die Adresse in chinesischen Buchstaben dabei. Allerdings kannte kein Taxifahrer die Adresse. Einer davon hat uns wenigstens mal in das richtige Viertel gebracht. Da wurde uns dann langsam auch klar, warum die Adresse keiner kennt. In Beijing gibt es nämlich sogenannte "Hutongs". Das sind Viertel mit winzigen Straßen, die anno dazumal von den Mongolen um Wasserlöcher herum errichtet worden sind. Hutong ist auch mongolisch für "Wasserloch", allerdings dachten die Chinesen die das gehört hatten, dass die Mongolen die kleinen Straßen gemeint hatten. Auf jeden Fall kommt es quasi nicht vor, dass ein Taxifahrer da reinfährt (es sei denn, er wohnt da und macht Feierabend). Übrigens: Die Häuser dort verfügen nicht über ein Abwassersystem, weswegen es eine beachtliche Anzahl an öffentlichen Toiletten in Beijing gibt. Normalerweise würde ich in diese Dinger keinen Fuß reinsetzen, aber es gibt in Chuzhou kaum Toiletten die besser sind. Insofern sind wir da schon einiges gewöhnt.
Nun ja. Dann mussten wir wohl oder übel in diese Hutongs rein und uns auf die Suche machen. Ein ziemlich alter Mann hat uns wenigstens in die richtige Richtung gelotst. Irgendwann haben wir dann ein Hotel gefunden. Zwar nicht das richtige, aber die Leute waren so nett, bei unserem Hotel anzurufen. Dann hat uns jemand aus unserem Hotel abgeholt. Allerdings war dann nach dem einchecken und Zimmer beziehen auch schon Abendessenszeit. Im Anschluss ans Abendessen sind wir noch in einen Irish Pub gegangen, der in der Nähe war. Aber nach kurzer Zeit hatten wir genug von den Briten und v.a. vom Guiness, also sind wir dann langsam Richtung Heia weitergezogen.

Am nächsten Tag (Montag) haben wir uns dann auf den Weg zum Tian'anmen (Tor des himmlischen Friedens) und zur dahinterliegenden verbotenen Stadt gemacht. Um ehrlich zu sein: Die Geschichte war weit weniger spektakulär als erwartet. Man kommt von einem großen Platz zum nächsten und es sind irre viele Leute unterwegs und alles sieht mehr oder weniger gleich aus. Hier ein paar Eindrücke:

Forbidden city Forbidden city Forbidden city Forbidden city Forbidden city Forbidden cityForbidden city

Danach sind wir noch ein bisschen in der Gegend herumgeschlendert und haben auch eine Art Foodmarket entdeckt. Dieser war noch eine Ecke spannender als der in Chuzhou. Ich habe mal ein paar der Köstlichkeiten fotografisch festgehalten:

Foodmarket Foodmarket Foodmarket Foodmarket Foodmarket Foodmarket

Leider hatten wir kurz zuvor schon zu Mittag gegessen. Wir haben uns vorgenommen, noch einmal dorthin zurückzukommen, aber irgendwie hat es dann zeitlich nicht mehr gepasst. Aber vielleicht bin ich ja mal wieder in Beijing.

Danach haben wir dem berühmt-berüchtigten "Silk-market" noch einen Besuch abgestattet, wo wir uns mit allerlei Markenkleidung eingedeckt haben und natürlich (bald ist EM) mit den aktuellen Trikots der Nationalelf (ca 7,20€ mit Hose). Auf jeden Fall war es ganz lustig, die ganze Zeit mit den Verkäuferinnen zu feilschen.

Am selben Abend waren wir dann noch in zwei Diskotheken (die Bilder erspare ich euch ;-) ), weswegen der darauffolgende Tag (nachdem wir etwas vom Hotelpersonal getadelt wurden) eher ruhig verlaufen ist. Das war auch der Feiertag, da hat sich Sightseeing aufgrund unvorstellbarer Menschenmassen sowieso nicht angeboten. Stattdessen haben wir ein bisschen die nähere Umgebung erkundet und am Abend haben wir (selbstverständlich) die berühmte Pekingente gegessen. Leider ist mir total entgangen, davon auch ein paar Bilder zu schießen. War auf jeden Fall echt gut (eine Japanerin hat uns erklären müssen, wie man die richtig isst...) und auch nicht allzu teuer.

Tags darauf haben wir dann eine Kaffeefahrt zur chinesischen Mauer und zu den Ming-Gräbern unternommen. Kaffeefahrt deswegen, weil wir uns vorher noch eine Jadefabrik anschauen mussten wo versucht wurde, uns mit allerlei Schnickschnack das Geld aus der Tasche zu ziehen und nach dem Besuch der Mauer hatten wir das gleiche Spielchen nochmal in einer Seidenfabrik.

Die Ming-Gräber waren auch nicht allzu spektakulär, aber unsere Touriführerin war ganz lustig und hat uns mit allerlei (mehr oder weniger interessanten) Fakten versorgt.

Die chinesische Mauer war dann definitv das Highlight der Reise. Nach oben ging's per Sessellift Sessellift Sessellift

Dann konnten wir schätzungsweise einen Kilometer der Mauer begehen (mehr war an dieser Stelle leider nicht restauriert). Natürlich haben wir uns auch die Zeit genommen, uns da oben ein kleines Bierchen zu gönnen. Wann hat man schon die Gelegenheit...
Great wall Great wall

Great wall

Und da ist auch schon die ganze Rasselbande (leider ohne unseren Holländer. Der musste arbeiten):

Great wall

Nach unten ging es dann per Sommerrodelbahn, was jetzt nicht unbedingt dorthin passt, aber dennoch einen Heidenspaß gemacht hat.

Rodelbahn Rodelbahn Rodelbahn

Am Abend ging es dann wieder in die Disko. Ist wieder relativ spät/früh geworden (ihr kennt mich), diesmal verlief die Rückkehr ins Hotel allerdings reibungsloser (der Nachtportier ist nicht einmal aufgewacht).

Dann ging's auch schon wieder Richtung Heimat.

Übrigens: Am beeindruckendsten an Beijing fand ich, dass es einfach überall total ruhig war! Kein Feuerwerk, kein (bzw. wenig) Rumgespucke, kein (bzw. wenig) ständiges Gehupe! Sogar der Verkehr war vergleichbar mit europäischen Städten (aber dann eher Städte wie Lissabon, o.ä.).
Verglichen mit dem (selbst-)mörderischen Verhalten der Verkehrsteilnehmer von Chuzhou war es dort richtig zivilisiert.

Alles in allem ein recht schöner Trip. Ich denke, früher oder später wird's mich schon mal wieder nach Beijing verschlagen (allerdings kosten die Zugtickets hin und zurück ca. 100€, deswegen sollte es schon zumindest ein verlängertes Wochenende sein).

Hier noch ein kleiner Ausblick auf die nächsten Wochen: Nächstes WE Nanjing, das Wochenende darauf wahrscheinlich Shanghai und im Juni irgendwann machen wir einen dreitägigen Wanderausflug zur wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit der Anhui Provinz: Dem gelben Berg (Huang Shan). Das hängt aber noch ein wenig von dem Kollegen eines anderen Praktikanten ab.

Jetzt wird's auch schon wieder Zeit für mich, ins Bettchen zu gehen. Aber ich denke, ihr habt jetzt wieder ein bisschen was zu lesen. Wie immer freue ich mich auch über den ein oder anderen Kommentar.

In diesem Sinne,

macht's gut!

Tanz in den Mai

Samstag, 28.04.2012

Hello again!

Jetzt hab' ich ja schon ewig nichts mehr von mir hören lassen. Aber die Tage sind einfach zu kurz. Ich weiß gar nicht, wo die ganze Zeit immer hingeht.

Dann versuche ich mal, euch auf den neuesten Stand zu bringen.
Vom Wetter her wird's langsam ganz gut warm. Es ist 21:00 Uhr und wir haben immer noch 24°C. Momentan ist es noch ganz gut auszuhalten. Man schwitzt halt tagsüber ein bisschen, aber es geht noch.
Die Ameisen bin ich glaube ich jetzt los. Habe schon seit mehreren Tagen keine mehr gesehen. Aber vielleicht formieren die sich auch nur neu, um mich dann vollständig zu vertreiben.
Auch die Kakerlaken verhalten sich verdächtig ruhig. Aber wir sind auch relativ heftig gegen die vorgegangen. Ich hoffe mal, jetzt sind die Machtverhältnisse hier in der Wohnung wiederhergestellt.

Ja, und wie's der Zufall so will, hat sich während ich diese Zeilen geschrieben habe wieder eine Ameise auf meinem Nachttisch Richtung Bierflasche geschlichen. Aber sooo nicht. Da hört bei mir die Freundschaft auf! Dieser Kampf scheint also noch nicht vollständig gewonnen zu sein.
(Bevor wieder zahlreiche - sicherlich gut gemeinte - Ratschläge aus der Heimat kommen: Nein, ich weiß nicht, wo ich Backpulver finden kann. Ich kenne weder das Wort, noch die Schriftzeichen. Selbst wenn ich das Wort kennen würde, könnte ich es nicht so aussprechen, dass es ein Chinese verstehen würde. Und die zahlreichen Tütchen in den Supermarktregalen können alles mögliche enthalten. Leider haben die's hier manchmal nicht so mit Bildern auf den Verpackungen)

Jetzt wollt ihr natürlich auch ein paar Bilder sehen. Die Problematik dabei ist, dass ich so gut wie keine Bilder gemacht habe in letzter Zeit. Einige der Dinge, die euch bestimmt ziemlich kurios erscheinen würden sind halt inzwischen Alltag geworden. Man verliert da ein bisschen den Blick dafür.

Ich kann euch aber mal die wichtigsten Persönlichkeiten unseres Alltaglebens vorstellen:

Da wären der

-Pancake man: Der schlägt seine Zelte (und damit ist ein versiffter Wagen gemeint) jeden Morgen vor unserem Wohnblock auf und grinst immer schon von weitem, wenn wir auf ihn zusteuern, um uns für 2.5RMB einen seiner Pancakes (einem Pfannkuchen tatsächlich relativ ähnlich, allerdings packt er da noch ein Rührei drauf und zweierlei braune Soßen. Eine davon ist scharf. Genauer weiß ich's nicht) zu gönnen. Wenn uns mal nach Abwechslung zumute ist, verkauft seine Frau nebenan Wraps.

-Laundry Lady: Auch gleich um die Ecke und auch von ihr wird man mit einem stets freundlichen Lächeln empfangen. Hier können wir für 7RMB das Stück unsere Hemden hinbringen und bekommen sie "tomorrow tomorrow" (gemeint ist übermorgen) wieder zurück. Wenn es irgendetwas zu nähen oder sonstiges gibt, kann man das dort auch gegen ein geringes Entgelt erledigen lassen.

-Noodle man: Den hab ich euch meines Wissens schon einmal vorgestellt. Immer wieder eine Wohltat. Inzwischen haben wir verschiedene Noodle men ausprobiert, aber bisher ist noch keiner an den ersten rangekommen. Inzwischen muss ich den Noodle man auch in einem Atemzug mit der

-Snickers lady erwähnen. Diese betreibt einen (sehr sehr) kleinen "Supermarkt" zwischen Noodle man und Firma. Ihr statten wir auf dem Rückweg vom Mittagessen immer noch einen Besuch ab und füllen unsere Wasser- und Snickersvorräte auf.

-Ebenfalls äußerst wichtig für uns ist auch noch die Assistentin meines Chefs. Sie ist äußerst freundlich und spricht fließend Englisch und bestellt uns immer unsere Zugtickets zur Firma. Auch sonst kann ich mich bei organisatorischen Problemen immer an sie wenden.

-Dann ist noch eine Wirtin auf dem kleinen Foodmarket (wir haben einen großen und einen kleinen. Der kleine ist ca. 200m von unserer Wohnung entfernt) inzwischen zu einer wichtigen Konstante geworden. Hier gibt es allerlei gegrillte Köstlichkeiten. Als "Unique selling point" hat die gute Frau aber eine Curry-Soße, die wir noch nirgendwo anders bekommen haben, in die sie das Zeug immer tunkt. Außerdem belegt sie - seit wir da ein paar Mal waren - einen Englischkurs und wir können uns jedes Mal ein bisschen mehr mit ihr unterhalten (am Anfang konnten wir nur mit ihrem siebenjährigen Sohn auf Englisch reden).

-Auch wichtig ist das "aJpanese restaurant" (kein Tippfehler. So steht's auf den Fensterscheiben und auf deren T-Shirts). Da gibt es ein bisschen Abwechslung zum chinesischen Essen. Die Renner sind Schnitzel mit Reis und Hackfleisch mit Reis. Außerdem liegt das nur 100m von unserem Gym entfernt, deshalb sind wir da öfter beim Abendessen.

A propos Gym: Direkt daneben macht heute eine neue Disse auf (nr. 2 in Chuzhou), die wir uns gleich mal zu Gemüte führen werden.

Nachtrag: Habe gerade einen Anruf von einem Mitpraktikanten bekommen. Der war heute auf einer chinesischen Hochzeit und ist bereits mit den Kollegen in der Disse. Vermutlich musste der schon gewisse Mengen an Bei jiu trinken.

Aber nicht sooo lange, da wir morgen um 11:00 für 5 Tage nach Peking fahren (musste heute schaffen, dafür hab ich morgen, Montag und am Labour day frei und dann hab ich mir noch zwei Tage Gleitzeitausgleich gegönnt von Gleitzeit, die ich nicht besitze).

Die ca. 1000km nach Beijing legt die chinesische Staatsbahn übrigens in atemberaubenden 3 Stunden und 47 Minuten zurück und ist dabei (in der Regel) auf die Minute pünktlich. Übrigens ist das (beim ersten Mal) relativ interessant, wieviel Personal da im Zug mitfährt. Da ist pro Abteil eine junge Dame um die Leute zu begrüßen und später die Tickets zu kontrollieren, eine junge Dame um ständig den ganzen Dreck vom Boden zu fegen und dann rennen in dem Zug noch ein oder mehrere Polizisten rum.
Aber wenn man eine Weile in China ist, wundert man sich nicht mehr über den Personalaufwand. Da kommt es auch mal vor, dass in einer Bar oder einem Restaurant doppelt so viele Leute arbeiten, als Gäste anwesend sind.

Sooo... Jetzt seid ihr soweit mal wieder auf dem laufenden.

Ich denke mal, nächste Woche gibt's dann wieder ein paar Bilder. Sorry für den vielen Text.

Macht's gut und seid brav!

Chuzhou 2

Dienstag, 17.04.2012

Ja Freunde, die Berichterstattung über die Formel 1 muss wegen Zeitmangel (sollte schon wieder ab in die Heia) leider noch etwas warten.

Deshalb hier noch ein kleines Update bezüglich der ungebetenen Gäste in unserem Apartment:

Der Ameisenbefall meines Bettes wurde in seiner Priorität zurückgestuft. Zwar hat die Anzahl der Sichtungen sich nicht merklich verringert, allerdings sind die mir zahlenmäßig noch nicht überlegen und ziemlich langsam, weswegen ich vor dem Schlafengehen ohne Probleme noch schnell alles erledigen kann, was sich da so tummelt.

Die oberste Priorität genießt inzwischen der Kakerlakenbefall in unserem Flur und in der Küche. Hier hat sich die Anzahl der Sichtungen (wahrscheinlich auch wegen der steigenden Temperaturen) in den letzten zwei Tagen signifikant erhöht, weswegen wir zum Handeln gezwungen sind, bevor diese Mistviecher die Oberhand in unseren Schlafgemächern gewinnen.

Unser Schlachtplan sieht folgendermaßen aus:

-Geeignete Schlag-, Hieb- und Stoßwerkzeuge besorgen (die Jungs sind verdammt schnell und zäh!).
-Gift in größeren Mengen besorgen (sollte angesichts der eher geringen Umwelt- und Gesundheitsvorgaben hier kein größeres Problem darstellen).
-Alles an Nahrungsmitteln, Gewürzen, etc. entsorgen, was hier noch rumsteht und von dem sich eine Kakerlake ernähren könnte.
-So viele Verstecke wie möglich beseitigen oder unzugänglich machen.
-Alle Ritzen, Löcher und sonstigen Möglichkeiten durch die die Biester in unsere Zimmer gelangen könnten hermetisch abriegeln (was angesichts der baulichen Situation der Wohnung aber vermutlich ein eher hoffnungsloses Unterfangen ist)

Jetzt gilt es, die verbliebenen Gebiete zu halten und Stück für Stück die von Kakerlaken okkupierten Räume zurückzugewinnen.

That's China. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Chuzhou

Dienstag, 10.04.2012

Puh, seit meinem letzten Blogeintrag ist ja schon wieder einige Zeit vergangen. Jeden Tag sieht man hier nicht wenige Kuriositäten (einige sind inzwischen schon Alltag), aber leider hat man meistens nicht schnell genug sein Handy zur Hand.

Einige der wenigen Erlebnisse, die wir festhalten konnten, versuche ich hier mal darzulegen (in chronologischer Reihenfolge):

Ganz interessant finde ich, dass man im Supermarkt den Fisch (meist) noch lebendig raussuchen kann. Wenn man allerdings erst am Abend kommt, kann es natürlich auch mal sein, dass der Sensenmann schneller war. Das sieht dann etwas kurios aus:

Aquarium

Hier hab ich noch ein Bild, das ich extra für'n Domme gemacht hab (ich hoffe der liest auch gelegentlich meinen Blog):

Truck-Truck

EIN TRUCK-TRUCK!!!

Ein absolutes Muss in Asien ist natürlich auch mal ein Ritt mit dem Tuk-Tuk. Wenn die Fahrerin allerdings nicht weiß wohin, muss man auch mal selber ran (ich trau mich das aber noch nicht. Der Verkehr ist echt mörderisch und die Knautschzone doch sehr gering):

Tuk-Tuk

In einer Stadt, in der sich auch der ein oder andere Deutsche tummelt, kann es dann natürlich auch schnell sein, dass man ein heimisches Bier (oder zumindest ein heimisches Bierglas) findet. Hier meine Lieblingsbarkeeperin (chinesische Version der Uli Utz) posierend mit einem Günzburger Glas:

Uli Utz

In dem Laden gibt es auch Weihenstephan-Weißbier. Nachdem ich mir eins gegönnt habe, wissen die Barkeeper auch wie man es einschenkt (den Schaum hatten die im Griff, allerdings wussten die nicht, dass man die Hefe rausschütteln muss). Mit 60 RMB (~7,50€) pro Halbe ist das allerdings eher ein einmaliges Vergnügen.

Nicht fehlen darf auch mein Lieblingsrestaurant zum Mittagessen (ca. 5 Gehminuten von der Firma entfernt), von uns liebevoll der "Noodle-man" genannt:

Noodle-man

Ist echt interessant, wie der mit bloßen Händen die Nudeln hinkriegt. Das Restaurant an sich ist etwas schäbig (kleine chinesische Bruchbude halt), aber das Essen ist sehr gut. Zur Auswahl stehen folgende Gerichte:

-Große Nudelsuppe mit viel Fleisch
-Große Nudelsuppe mit wenig Fleisch
-Kleine Nudelsuppe mit viel Fleisch
-Kleine Nudelsuppe mit wenig Fleisch

Man kann dann noch entscheiden ob mit oder ohne Koreander.
Der Kostenpunkt liegt bei 10 RMB (~1,25€) pro Gericht. Die Suppe ist allerdings nicht ganz leicht zu essen, weil man im Prinzip nur eine sehr lange Nudel in der Suppe hat. Da muss man sich mit den Essgewohnheiten etwas den Chinesen anpassen (und man sollte kein weißes Hemd tragen).

Bull balls

Am Wochenende sind mein holländischer Kollege (genannt Marijn, bzw. Ma Jing) und ich in Chuzhou geblieben und haben uns eine Art chinesisches Barbecue gegönnt. Nicht fehlen durften natürlich dabei die guten alten "Bull-balls". Mit ~10-15 RMB das Paar sind die allerdings nicht ganz preiswert. Kostet allerdings vermutlich auch viel Mut, die zu beschaffen ;-)
Gegrillt sieht das dann so aus:

Jotti mit Bull-balls

Zu einem Barbecue darf natürlich auch ein gutes Bier nicht fehlen. In diesem Fall kein Tsing-Tao, sondern ein Snow-Beer. Ist hier auch ziemlich gängig. Leider kriegt man das Bier hier allerdings fast immer warm serviert.

Am Samstagmittag waren wir dann bei DER Touristenfalle von Chuzhou, dem Langya-Mountain. Als Wahl-Allgäuer bin ich natürlich anderes gewohnt, aber immerhin konnten wir mal (gegen ein geringes Entgelt von 95 RMB, was schlappen 11,88€ entspricht) aus der Stadt raus. Es gibt wohl auch einen Seiteneingang, der dann kostenlos ist. Wir wussten aber nicht wo der ist. Hier ein paar Eindrücke:

Hütten Wasserfall

Die zwei hier haben da auch gleich ihre Hochzeitsfotos geschossen (wollte nicht so tourimäßig-penetrant auf die Braut fokussieren, deshalb ist die eher am Rand):

Braut

Und hier noch die leicht neblig-versmogte Aussicht vom "Gipfel":

Aussicht

Zur gleichen Zeit war auch eine Art Schulklasse (könnte zahlenmäßig auch eine ganze Schule gewesen sein) zu einem Ausflug da. Für die waren wir die größere Attraktion als der popelige Berg.

Zurück in der Stadt hab ich noch eine coole Maschine entdeckt:

Das ist ein alter versiffter Traktormotor, da haut der irgend ein Zeug rein und dann fallen da so komische "Chips" oder sowas in der Art raus. Hab die Geschichte noch nicht näher untersucht, aber mein Interesse ist geweckt. Solche Dinge bekommt man in Chuzhou öfter zu Gesicht. In Shanghai gibt es das eigentlich nicht. Probiert habe ich diese Dinger noch nicht, werde ich aber im Lauf der Zeit noch.

Nach dem Abendessen ging's dann wieder zur Uli Utz des Ostens. Eine Freundin der Barkeeperin wollte gleich ein Bild mit uns (kommt aber in Chuzhou öfter vor. Einen Europäer sieht man ja nicht alle Tage). Für ein "iPhone" ist die Qualität aber nicht so besonders ;-)

Sparkling Bar

Die junge Dame entsprach leider nicht ganz unserer Altersklasse und war wahrscheinlich auch schon seit längerem verheiratet.
An meinem T-Shirt kann man allerdings sehr gut erkennen, dass ich stets Flagge zeige :-)

Sooo, jetzt habt ihr ja wieder ein bisschen was zum Lesen von mir. Damit verabschiede ich mich dann mal Richtung Bett. Morgen wird schließlich wieder ein langer Tag voller Überraschungen.

Liebe Grüße in die Heimat!

P.S.: Während ich das geschrieben habe, musste ich mehrere Ameisen auf meinem Schreibtisch und auf meiner Tastatur erledigen. Habe auch schon ein paar in meinem Bett gefunden. Vielleicht sollte ich mich mal auf die Suche nach der Quelle machen, bevor das zur Plage wird... (da ich mich ja schon etwas an die chinesischen Verhältnisse gewöhnt habe, würde ich es als Plage bezeichnen, wenn die Ameisenpopulation in meinem Zimmer in etwa die Menschenpopulation des ganzen Hauses übersteigt. Da hab ich also noch etwas Luft)

P.S.2: Ganz vergessen. Natürlich sieht man hier auch jede Menge gefälschte Kleidung, Autos, etc. Manchmal sind die ganz amüsant, weil einfach unglaublich schlecht:

Borussia Portmund

Food market

Freitag, 30.03.2012

Ok, jetzt kommt die Bestätigung der Vorurteile gegenüber chinesischem Essen:

Wie schon erwähnt, war ich heute mit meinem holländischem Kollegen zum Dinner verabredet und wir sind zusammen auf den "Food market" gegangen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch einige Damen beim abendlichen Fitnesstraining gesehen:

Chinesinnen beim Tanzen

Erinnert ein bisschen an den guten alten Freestyle im Schiller's.

Dann sind wir in eine Seitenstraße abgebogen und da war der Food market. Im Prinzip ist das ein ganz normaler Markt, das Essen liegt da in den Ständen aus, nur dahinter haben die Stände ein Zelt, in das man reinsitzen kann. Man ordert also das Essen, setzt sich hin und die bereiten es dann zu.

Da gibt es ganz normale und leckere Sachen wie Schweinefleisch, auch Leber (wer's mag), aber auch eher außergewöhnliche Sachen, wie z.B.

Algen

Algen (schmecken nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut). Desweiteren gibt's natürlich auch allerlei tierisches, wie

Herzen

so etwas. Wir vermuten, dass es sich dabei um Herzen handelt. Für Geflügel sind die allerdings m.E. etwas groß. Müsste wohl irgendwas in der Größe eines Hasen sein. //Nachtrag: Hab' die Kollegen gefragt. Anscheinend handelt es sich hier tatsächlich um die Hoden eines Bullen// Die waren äußerst zart, aber für meinen Geschmack etwas stark gewürzt. Ein absolutes must-have sind dann natürlich auch die nicht vollständig ausgebrüteten Küken, hier einmal roh

Küken

und einmal gegrillt.

Küken gegrillt

Die schmecken ganz ok (die Füße und die Köpfe hab ich jetzt nicht mitgegessen, kann man aber. Es gilt der Grundsatz: Sie servieren es, also kannst du's essen.), allerdings hatte ich danach schon ein flaues Gefühl im Magen. Ist aber glaub ich eher eine Kopfsache. Zum Schluss gab's dann noch lecker frittierte Kakerlaken //Nachtrag: Anscheinend sind das nicht wirklich Kakerlaken, sondern irgendwelche speziellen Käfer//.

//Nachtrag 2: Es sind wohl die Larven von Zikaden//

Kakerlaken

Die sind echt nicht schlecht, auch gut gewürzt. Alles in allem haben die Sachen mir besser geschmeckt, als der gekochte Hund vor ein paar Tagen.

Danach hatte ich dann allerdings doch erstmal genug und wir haben die Sache mit ca. 1,5m Bambus zum Nachtisch abgerundet.

Übrigens: Man kann da auch allerlei Fisch und Meeresfrüchte ordern (beliebt sind anscheinend Mini-Aale), aber wie ihr wisst, bin ich da kein großer Fan von. Die Landbewohner haben mich auch gesättigt.

War ein interessanter Abend. Mal schauen was ich das nächste Mal so finde...

Soso

Freitag, 30.03.2012

Na dann lass ich mal wieder was von mir hören. Aus Europa kommen ja nicht allzu gute Nachrichten, wenn ich meine Newsfeeds so durchgehe. Aber schlechte Nachrichten verbreiten sich natürlich auch stärker. Das Wetter ist wohl bei euch genauso bescheiden, wie ich das so sehe (bei uns hat es immerhin noch 15°C, aber genauso verregnet).

Viel neues gibt es bei mir nicht. Die Arbeitstage sind recht lang und momentan auch etwas monoton (z.Z. wühle ich mich durch 7 Ordner Maschinenunterlagen und Konstruktionszeichnungen und suche die Wartungsanweisungen von Herstellerseite heraus, um sie zu verstehen und mit den bisherigen Wartungsplänen der Firma abzugleichen). Lehrreich ist es aber allemal. Dieses Wochenende werde ich dann durcharbeiten, dann habe ich Montag bis Mittwoch frei (am Mittwoch ist ein chinesischer Feiertag, hab ich aber glaub schonmal geschrieben). Dann noch Do und Fr schaffen und wieder Wochenende. Danach werde ich dann etwas mehr in Kontakt mit Menschen kommen ;-)

Die Shanghai Bilder werden wohl noch etwas auf sich warten lassen müssen. Hier laufen die Dinge halt manchmal etwas langsamer. Hektik verbreiten ist da aber - wie immer - äußerst unangebracht. In diesem Zusammenhang fällt mir auch ein wichtiger Begriff ein, den man ziemlich schnell lernt: méi yǒu (gibt's nicht / kann ich nicht / hab' ich nicht / geht nicht / will nicht). Hört man relativ häufig, aber auch damit kann man sich abfinden.

Aber für Mo bis Mi kriegen wir (dank der äußerst hilfsbereiten Assistentin meines Big Boss) morgen schon wieder neue Zugtickets nach SH. Diesmal gehen wir aber nur zu zweit, d.h. ich werde selbst Fotos machen.

Heute Abend bin ich mit meinem holländischen Kollegen (schreibt grade seine Masterarbeit) zum Dinner auf dem "Food market" verabredet. Da soll es so ziemlich das frischeste Essen in ganz Chuzhou geben (weil sie es angeblich teilweise vor deinen Augen schlachten).

Macht aber nix, gerade auf dem Heimweg von der Arbeit haben auch schon zwei Typen ihre Hühner auf der Straße geschlachtet.

Kevin: Da hol ich mir neue Ideen für unser nächstes Barbecue ;-) Hund hatte ich schon, schmeckt aber nicht so besonders (immerhin kann ich's jetzt auf meiner To do list abhaken). Aber frittierte Käfer werde ich heute mal antesten.

 

Dann wünscht mir mal Glück heute Abend und macht's gut!

Ach ja, ganz vergessen: Am Sonntag zieh ich in meine Bude und dann werde ich auch mal das Projekt Facebook in Angriff nehmen. Nichtsdestotrotz dürft ihr mich in Skype adden (wer die Email nicht gekriegt hat, sollte evtl. mal im Spam-Ordner nachsehen. Da landen wahrscheinlich alle Emails aus China mit deutschem Account und großem Verteiler).

Shanghai 1

Montag, 26.03.2012

So Freunde,

hinter mir liegt ein verrücktes Wochenende in Shanghai. Allerdings habe ich die Bilder noch nicht (der USB-Stick ist noch im Umlauf), d.h. die ausführliche Story muss noch etwas warten. Nur Prosa wär wohl etwas langweilig.

Inzwischen hat der Frühling auch China erreicht, deswegen hatten wir heute angenehme 25°C. Hätte kein Problem damit, wenn das Wetter sich auf diesem Level halten würde.

Allerdings befürchte ich, dass es bald deutlich wärmer und deutlich schwüler werden wird.

Morgen Abend bin ich zum Abschiedsessen eines unserer Praktikanten eingeladen (wenn der weg ist, kriege ich seine Wohnung). Ich vermute mal, da wird es ordentlich Ganbei geben. Das wird dann wohl sowas wie mein Einstand, nachdem mein erstes Geschäftsessen ja relativ glimpflich verlaufen ist. Anschließend geht's dann wohl zum KTV (Karaoke). Da kann ich dann zeigen, wer hier der Platzhirsch aka Mr. Karaoke ist ;-)

Solange ich die Bilder von Shanghai nicht habe (hab aber keine Ahnung, ob da was brauchbares dabei ist), hier noch ein paar Bilder von meinen bisherigen Eindrücken:

Zunächst einmal die wundeschöne Aussicht aus meinem Hotelzimmer:  

Aussicht Hotel

Da merkt man schon, dass man in der Provinz ist (eine Chinesin hat zu mir am WE gesagt, dass Anhui (die Provinz in der Chuzhou liegt) so ziemlich die schäbigste Gegend in China ist). Das Zimmer an sich ist aber okay.

Beeindruckend fand ich die Bahnhöfe der Schnellzüge (G- und D-Train):

Bahnhof Nanjing Süd Bahnhof Chuzhou Nord

Die sind einfach unglaublich riesig (vergleichbar mit einem Flughafenterminal). Als ich in Chuzhou angekommen bin, war ich echt beeindruckt. Allerdings wenn man nach draußen kommt stellt man fest, dass der Bahnhof zwar gigantisch ist (und - wie alles in China - mit großem Personalaufwand sauber gehalten wird), sich aber mitten im nirgendwo befindet (Bild rechts). Da waren einfach keinerlei Gebäude drumherum. Nach einer zehnminütigen Taxifahrt kommt man dann allerdings in die Stadt.

Interessant fand ich diesen Typen hier mit seiner Bambusquetsche:

Bamboo

Aus so einem Stamm kommt erstaunlich viel Saft raus. Die ersten Schlücke schmecken ziemlich gut, allerdings ist der Bambussaft sehr süß und so ein Becher ist dann doch etwas viel. Besser soll es sein, den Bambus zu kauen.

Ok, das war es mal für den Anfang.

Ach ja, das Feedback auf meine Email bzgl. Skype war bisher relativ mager. Würde mich freuen, wenn mich noch ein paar Leute adden würden, damit wir in Kontakt bleiben können.

 

In diesem Sinne,

Zàijiàn wǒ de péngyou!

Juhuuu!

Dienstag, 20.03.2012

Es ist Mittwoch morgen um 06:45 Uhr und irgendwie ist es mir gerade gelungen, die Internetverbindung im Hotel herzustellen.

Bin momentan beim Frühstück (Brötchen mit Marmelade aus dem Supermarkt, weil das Hotelfrühstück ist nicht unbedingt so mein Ding). Deshalb wird der Eintrag jetzt relativ kurz, weil ich mich sputen muss.

Ich bin sehr gut, aber etwas müde angekommen, Flug und Transfer nach Chuzhou hat super geklappt. Die Taxifahrt vom Flughafen zum Bahnhof kam mir zwar zunächst mörderisch vor, wenn man allerdings öfter Taxi fährt (es ist einfach übelst billig), dann kann man trotzdem eine gewisse Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer erkennen.

Gestern war ich von der Firma zum Abendessen eingeladen, verlief aber relativ human und unspektakulär. Es wurde nur Bier gereicht, das zwar gut war, aber ziemlich schwach. Ähnlich wie in deutschen Fußballstadien. Zum Essen muss man sagen, dass es wirklich gut und nobel war (die Schildkröte hab ich mal liegengelassen), allerdings bin ich noch nicht fit genug mit Stäbchen, um mit den rotierenden Tischen wirklich mithalten zu können.

Noch ein paar Sätze zur Arbeit: Viel hab ich bisher noch nicht gemacht, mein Chef ist auch noch bis nächste Woche im Urlaub. Hab jetzt aber einiges an Unterlagen bekommen, in die ich mich jetzt in aller Ruhe einlesen kann. Hab noch etwas Probleme, die chinesischen Kollegen zu verstehen, aber ich denke das gibt sich mit der Zeit. Die anderen 5 Praktikanten sind wirklich in Ordnung und haben mich gut aufgenommen. Übers Wochenende werde ich mit den Jungs nach Shanghai fahren. Dann kommen auch mal ein paar Bilder (hab ich bisher total vergessen).

Puh, ist jetzt doch länger geworden als gedacht und ich bin schon wieder spät dran. Deshalb macht's gut und tut nichts, was ich nicht auch tun würde!

 

Grüße

Jotti

Erster Eintrag

Freitag, 24.02.2012

Sooo... Da ich darauf hingewiesen wurde, dass ich in China wohl auf Facebook verzichten muss, habe ich mir jetzt diesen Blog zugelegt, in dem ich über meine Erfahrungen und Eindrücke aus dem Land der Mitte berichten werde.

Am 18.03.12 werde ich von Frankfurt nach Nanjing fliegen (vorausgesetzt, die Vorfeldlotsen spielen mit). Am 19.03.12 um 10:50 Ortszeit werde ich ankommen und mich erstmal nach Chuzhou zur Firma durchschlagen.